Über Haltbarkeit, Konsum und Enttäuschung
14.02.2026
Rebecca Bloomwood hat in Confessions of a Shopaholic einen Job bekommen, indem sie einen Artikel über die Enttäuschung ihres nicht warmen Wintermantels schrieb. Eine ähnliche Enttäuschung erlebte ich kürzlich, als ich feststellte, dass mein Oura Ring nach zweieinhalb Jahren nicht einmal mehr 25 Stunden Akku hielt. Dasselbe galt für meine Apple AirPods, die nach zwei Jahren plötzlich nicht mehr richtig funktionierten, oder das T-Shirt, das schon älter aussah, als es war. Es ist immer dasselbe Muster: Produkte versprechen uns Haltbarkeit, Innovation, Qualität – und liefern am Ende nur Enttäuschung und den Zwang zum Neukauf. (Ja, ich habe mir die AirPods trotzdem noch einmal gekauft – aus irrationaler Hoffnung auf ein anderes Ergebnis.)
Meine Mutter nutzte noch den Rimowa-Koffer ihres Vaters, Jahrzehnte nach seinem Kauf. Doch heute? Die „lebenslange Garantie“ gilt nur, wenn man das Produkt online registriert, es nach dem 25.07.2022 erworben hat – und selbst dann nur für „bestimmte Mängel“. Eine Garantie, die sich in Ausnahmen verliert, ist keine Garantie mehr. Sie ist ein Marketinginstrument, das uns Sicherheit vorgaukelt, während Hersteller die gesetzliche Gewährleistungspflicht von zwei Jahren als maximale Lebensdauer interpretieren.
Selbst meine Socken mit „lebenslanger Garantie“ wiesen nach einem Jahr Löcher auf. Ich erhielt einen Gutschein über den Einkaufswert – doch was nützt mir das, wenn ich eigentlich Socken wollte, die halten, was sie versprechen? Laut Green In Piece beträgt die durchschnittliche Lebensdauer von T-Shirts nur drei bis sechs Jahre. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Kleidung repariert, weitergegeben und vererbt wurde. Manche meiner Kleidungsstücke sind älter als ich. Doch bei den heutigen dünnen Stoffen hilft selbst die beste Pflege nichts mehr.
Natürlich könnte man einwenden, es handele sich um Einzelfälle. Dass mein Oura Ring, meine AirPods oder mein T-Shirt einfach Pech hatten. Doch wenn sich solche Geschichten häufen – wenn sogar Fair-Trade-Kleidung, die ich bewusst kaufe, um ethischer zu konsumieren, nach kurzer Zeit ausleiert –, dann ist das kein Zufall. Dann ist das ein System, das schlechte Qualität gut vermarktet und uns einredet, wir seien selbst schuld, wenn Dinge kaputtgehen.
Erst jetzt wurde mir klar, warum mein Oura Ring nicht länger als ein paar Jahre halten kann: Die winzige Lithium-Ionen-Batterie und die dauerhafte Nutzung machen ihn zu E-Schrott auf Zeit – ein Produkt, das nicht reparierbar ist und von vornherein eine begrenzte Lebensdauer hat. Dasselbe gilt für meine AirPods oder ultradünne Tablets, während ThinkPads der 90er-Jahre noch immer funktionieren.
Mein Ansatz: Bewusste Alternativen suchen. Da ich kein Polyester tragen möchte, werde ich Hanfkleidung testen. Meine nächsten Kopfhörer werden kabelgebunden sein. Nicht aus Nostalgie, sondern weil ich diesen Kreislauf der Wegwerfgesellschaft durchbrechen will. Oft bleibt uns zwar nichts anderes übrig, als in ihm gefangen zu bleiben. Doch kleine Entscheidungen können ein Anfang sein.